Pflegefachfrau tertiär und Berufsbildnerin
Pflege im Alter | 28. August 2026 | Karin Hadorn-Janetschek

Was ich selbst nicht kann, kann ich auch nicht von den Lernenden verlangen.

Rund 60 junge Menschen haben in diesem Sommer ihre Ausbildung beim BSB abgeschlossen. Fast gleichzeitig haben 78 Lernende und Studierende beim BSB gestartet. Ausgebildet werden sie von rund 140 Berufsbildnerinnen und Berufsbildnern. Ansamma Muttapillil, Pflegefachfrau tertiär und Berufsbildnerin, spricht darüber, wie sie die Balance findet zwischen der Zeit für die Ausbildung und für die Pflege von älteren Menschen im BSB Pflegezentrum Burgfelderhof.

Warum sind Sie Berufsbildnerin geworden?

«In meinem ganzen Berufsleben hatte ich viel Kontakt mit Auszubildenden. Gerne gebe ich mein Wissen und meine Erfahrung weiter, damit sie gut ausgebildet werden. Gleichzeitig vertiefe ich meine eigene Fachkompetenz als Berufsbildungsverantwortliche im BSB Pflegezentrum Burgfelderhof. Während einem Jahr habe ich soeben berufsbegleitend ein CAS zur Ausbildungsleiterin Gesundheitsbereich erfolgreich abgeschlossen. Meine Ausbildung zur Pflegefachfrau absolvierte ich in Indien, bevor ich mit 21 Jahren nach Basel zu meiner Cousine kam. Heute bin ich Berufsbildnerin von aktuell sechs Lernenden und Berufsbildungsverantwortliche im BSB Pflegezentrum Burgfelderhof. Massgeblich bei der Ausbildung sind der Lehr- und Semesterplan sowie das praktische Üben.»

Welches sind Ihre schönsten Berufserlebnisse?

«Meistens beginnt die Ausbildung im Alter von 15 oder 16 Jahren. Ich brauche viel Gespür für die Auszubildenden, die sich zunächst in einem sensiblen Übergang zwischen Schulzeit und Berufsleben befinden und teilweise sehr unsicher sind. Stets erfüllt mich grosse Freude, wenn ich sie beim Lehrabschluss als reife und selbstbewusste junge Erwachsene in die Berufswelt entlassen darf. Meine 25-jährige Berufserfahrung und auch die Erziehung von zwei inzwischen erwachsenen Kindern prägen meinen Ausbildungsstil: Was ich selbst nicht kann, kann ich auch nicht von anderen verlangen. Jede und jeder Auszubildende hat individuelle Fähigkeiten. Entsprechend motiviere ich sie, Schwächen zu verbessern und Stärken auszubauen. Positive Rückmeldungen von Teamkolleginnen in den Wohnbereichen, von unseren betagten Bewohnenden oder von ihren Angehörigen motivieren uns sehr. Besonders freut mich, wenn sich ehemalige Auszubildende fürs Praktikum im Rahmen ihres höheren Fachstudiums bei uns melden. Oder wenn sich ein früherer Lernender für eine Pflege HF Ausbildung entscheidet, um Wohnbereichsleiter in einem Pflegezentrum anstatt z.B. Rettungssanitäter zu werden. Für unsere Gesellschaft ist es wichtig, dass wir genügend Berufsnachwuchs in der Langzeitpflege haben.»

Was sind die Herausforderungen bei der Berufsbildung?

«Im Alltag stehen wir immer in der Balance zwischen der Pflege und der Betreuung unserer älteren Bewohnenden im Pflegezentrum und dem Anspruch, die jungen Menschen gut auszubilden und stets genügend Zeit für ihre Ausbildung zu haben. Deshalb muss ich die Lernbegleitung exakt planen und den Auszubildenden genügend Zeit geben, damit sie Neues lernen und üben können. Wenn es in der Pflege viel Stress gibt, wird auch die Lernsituation schwierig. Die Auszubildenden haben unterschiedliche Lernvoraussetzungen, auf welche wir individuell eingehen müssen. Das kann viel Energie fordern. Meistens kann man viel bewirken, wenn man grosse Empathie zeigt. Insbesondere, wenn Auszubildende psychisch belastet sind oder sich in schwierigen Situationen befinden.»

Was geben Sie den jungen Menschen mit auf ihren Weg?

«Jeder Mensch ist gut und darf zu seinen eigenen Schwächen und Stärken stehen. Die jungen Menschen sollen authentisch und offen bleiben sowie einen respektvollen Umgang beibehalten. Ihre Ziele sollen sie nie aufgeben. Sie haben die Gewissheit, stets Menschen zu finden, die sie unterstützen und ein offenes Ohr für ihre Anliegen haben. Bei der Berufswahl ist es wichtig, mit dem Herzen zu entscheiden.»

Das Interview erscheint in gedruckter Form Ende September im Magazin der Bürgergemeinde Basel, bg-Post.

Lehre beim BSB:

Anfang August 2026 haben 78 neue Lernende ihre Ausbildung bei uns gestartet. Sie absolvieren ihre Lehre in den unterschiedlichsten Berufsfeldern: von KV, Medien, Pflege und Betreuung über Logistik bis hin zu Coiffeur, Gärtnerei, Malerei, Mechanik und weiteren spannenden Berufen. Auch unsere neuen Studierenden in den Bereichen Sozialpädagogik, Soziale Arbeit und Pflege HF heissen wir herzlich willkommen. 

Portrait Karin Hadorn-Janetschek

Karin Hadorn-Janetschek

PR & Kommunikationsspezialistin beim BSB, Redaktionsleiterin Horizont

Karin Hadorn-Janetschek interviewt gerne andere Personen und ist leidenschaftliche Redaktorin.

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©Bürgerspital Basel