bsb
Wohnen und IV | 21. Mai 2026 | Karin Hadorn-Janetschek

Begleitetes Wohnen für junge Menschen: Brüche im Leben gehören dazu

Wie finden sich junge Menschen in ihrem Leben zurecht, nachdem sie in einem BSB-Wohnhaus für Jugendliche und junge Erwachsene begleitet wurden? Beim Ehemaligentreffen sprechen einzelne Careleaver über ihre Erfahrungen.

Unbeschwertes Lachen klingt durch die vier Stockwerke des BSB Wohnhaus Alemannengasse. An einem warmen Tag im April 2026 treffen sich über 20 ehemalige Bewohnende im Wohnhaus. Sie sind Careleaver, also junge Menschen, die in einer Pflegefamilie oder in einer Einrichtung der Jugendhilfe gelebt haben. Sie alle wohnten kürzere oder längere Zeit im Wohnhaus. Fachpersonen des BSB begleiteten und unterstützten sie während ihrer Ausbildung in einer beruflichen Massnahme. 

Selbstvertrauen gestärkt

Ginas* Augen strahlen, während sie mit ihrer ehemaligen Betreuungsperson spricht. Sie lebte etwa für ein halbes Jahr im Wohnhaus und schätzte vor allem die Tagesstrukturen. Ihr Wille, etwas ganz allein und selbst zu schaffen, ist gross. Heute geht es ihr gut und ihr Beruf im Betriebsunterhalt, wo sie Verantwortung tragen darf, gefällt ihr. Bruchstücke aus ihrer schwierigen Jugend oder die lange Krankheit nach ihrem Lehrabschluss tauchen stets auf. Heute hat sie gelernt, damit positiv umzugehen.

Bei Martin* liegt die Zeit im Wohnhaus schon viele Jahre zurück, sporadisch trifft er sich mit seiner Kontaktperson. Er wirkt ausgeglichen und freut sich sehr darüber, seine ehemaligen Wohnkollegen wiederzusehen. «Es geht mir gut,» erzählt er ruhig, «ich suche gerade einen neuen Job.» Er wirkt nicht beunruhigt. Heute scheint er zuversichtlich zu sein, um sein Leben immer wieder von Neuem selbst zu gestalten.

Halt finden in Jugendheim in schwierigen Familiensituationen

Die Stimmung ist gelöst. Alle freuen sich sichtlich über das Wiedersehen, umarmen sich und blicken auf die gemeinsame Zeit zurück. «Weisch no?» hallt es durch die Gänge, durch die beiden Wohnzimmer und draussen auf der kleinen Terrasse. Die heitere Stimmung mag etwas überraschen, denn diese Menschen sind oft in schwierigen Familienverhältnissen aufgewachsen. Die Invalidenversicherung oder Sozial-, Kinder und Jugenddienste hatten sie zu einem Wohnplatz ausserhalb ihrer Familie begleitet. Im BSB Wohnhaus Alemannengasse fanden sie Unterstützung und Halt. In insgesamt fünf Jugendheimen mit unterschiedlicher Ausrichtung und Trainingswohnungen finden junge Menschen beim BSB ein temporäres Zuhause.

Jan Kropf, Sozialpädagoge und seit 25 Jahren im Wohnhaus, meint: «An unser Careleaver-Treffen kommen mehrheitlich Leute, die gute bis sehr gute Erinnerungen haben an ihren Aufenthalt bei uns im Wohnhaus bzw. Leute, die wir damals sehr gut unterstützen konnten in ihrer Entwicklung, was deren gesamten Lebensweg positiv geprägt hat.» Gemäss einer kleinen Umfrage bei den Ehemaligen blicken die meisten sehr zufrieden auf die Zeit im Wohnhaus zurück.  

Empathische Betreuung im Jugendheim

André, Jan, Jasmin und Rosi sind agogisch oder sozialpädagogisch ausgebildete Betreuungspersonen. Die Begrüssung fällt auf beiden Seiten sehr herzlich aus. Bei den Betreuungspersonen spürt man ihre grosse Empathie für die jungen Menschen und ihr Interesse daran, wo die Jungen heute stehen. Die enge Beziehung zu ihren Begleitpersonen ist bei den Ehemaligen offensichtlich. Sie stehen beieinander und erzählen aus ihrem Leben.

An unser Careleaver-Treffen kommen Leute die gute Erinnerungen an ihren Aufenthalt bei uns im Wohnhaus haben.

Mit den Brüchen im Leben umgehen

In den Gesprächen zeigen sich die Vertrautheit und das Ankommen in einer stabileren Lebenssituation. Dazwischen tauchen auch die Brüche im Leben der jungen Menschen auf. «Das war eine gute Zeit,» erzählt Maja*. «Jetzt stehe ich mit beiden Beinen im Leben.» Sie sieht dabei mit gesenktem Blick auf ihre Beine. «Ich habe viel Halt erfahren, vor allem dank ‘meiner besten Bezugsperson ever’.» Sie machte eine Ausbildung zur Hauswirtschaftsfachfrau und lebte insgesamt fünf Jahre zunächst im Wohnhaus und später selbständig in einer Trainingswohnung des BSB

Joana* ist ihre beste Freundin, sie haben sich schon vorher gut gekannt. Joana war nur ein Jahr im Wohnhaus, ihr Drang nach Unabhängigkeit war sehr gross. Auch sie blickt dankbar auf die Zeit im Wohnhaus zurück: «Wegen den netten Betreuungspersonen, und der Freundschaft mit den Mitbewohnenden und mit Maja. Ans Treffen bin ich vor allem gekommen, weil’s mit den anderen lustig ist und wegen den schönen Erinnerungen. Mein Bruder hütet jetzt gerade extra meine drei Kinder.» Vom Vater ihrer Kinder hat sie sich getrennt, über die Gründe möchte sie nicht sprechen, eine Familienbegleiterin unterstützt sie bei ihrem anspruchsvollen Familienalltag. Sie scheint stark genug zu sein, mit Brüchen in ihrem Leben umzugehen. (*anonymisierte Namen bei den Ehemaligen)

Portrait Karin Hadorn-Janetschek

Karin Hadorn-Janetschek

PR & Kommunikationsspezialistin beim BSB, Redaktionsleiterin Horizont

Karin Hadorn-Janetschek interviewt gerne andere Personen und ist leidenschaftliche Redaktorin.

Beitrag teilen:
©Bürgerspital Basel